Das Leben der Lina Glaser

Die Bretzenheimerin Lina Schüler heiratete 1935 Eugen Glaser. Eugen arbeitete als Kraftfahrer im elterlichen Fuhrunternehmen, u.a. belieferte er Konsum-Lebensmittelläden. Lina brachte in die Ehe einige landwirtschaftliche Flächen mit ein. Sie wohnten im alten Ortskern von Zahlbach. 

Lina hatte eine ältere Schwester und einen älteren und zwei jüngere Brüder. 1935 gebar Lina ihr erstes Kind Margit, 1940 die zweite Tochter Karola und 1941 Ihren Sohn Eugen Karl Friedrich. Ende 1941, kurz nach der Geburt, wurde Eugen zu den Feldjägern eingezogen. Eugen Karl Friedrich starb schon mit 14 Monaten an einer Milchunverträglichkeit. Im 2. Weltkrieg verlor Lina dann ihren Mann und ihre drei Brüder.

Noch im Krieg zog Lina Schüler mit ihren zwei Töchtern in ihr Gartenhaus am Rande von Zahlbach. In ihr Haus in der Bretzenheimer Straße zogen Menschen, die bei dem Bombenangriff 1942 ihr Obdach verloren hatten. Im und nach dem Krieg konnte sie sich mit Gemüseanbau über Wasser halten. Das Gartenhaus wurde immer weiter zu einem Haus ausgebaut, in dem wohnte sie dann bis zu ihrem Lebensende 1972. 

Die Feldpost von Konrad Eugen Glaser

Osten, den 22.10.44 

Liebe Frau & Kinder
Sende dir hiermit, die zwei Riegel, einen für dein Geburtstag, und je eine Hälfte für die Kinder. Laßt Euch sie gut schmecken, denn sie kommen vom Herzen. 

Viele Grüße Dein Eugen 

In 4 Tagen ist mein Geburtstag, 30 Jahre alt, das Ende der Jugend. 

Die Feldpost von Johann Schüler

Osten den 14.11.44 

Liebe Schwester!
Heute kann ich dir mitteilen, daß wir am 23.12.44 an die Front kommen. Also ein schönes Weihnachtsfest für mich. Heute bekommen wir nochmal 2 Marken je 100 g. eine schicke ich Dir wenn möglich für Tabak + Blättchen.
Liebe Schwester ich glaubte immer an alsbald Uhrlaub ist aber Scheiße ich könnte verblatzen vor Wut. Liebe Schwester sollte ich nicht mehr die Heimat wiedersehen dann sehe öfter nach meinen Kinder Du weißt was wir mitmachen mußten ohne Mutter!!! Den Sonntag gehen wir gemeinsam zur Kirche vielleicht ist es das letzte mahl. Denke auch Du im Gebet an mich damit meinen Kinder der Vater erhalten bleibt.
Liebe Schwester ich wünsche Dir trotz allem eine ruhige im Kreise deiner Kinder frohe Weihnachten u. gr.d.h.
Dein Bruder. 

Brief an Karl Weismantel:

Abs: Gem. Joh. Schüler
Feldpostnummer 26327F 

Osten, den 3.12.44

Meine Lieben!
Am 26.11.44 habe ich … Brief erhalten vom 21.11 erhalten. Wie kann das sein? Ich stehe fast vor einem Rätse, am gleichen Tag erhielt ich Post von meiner Schwester, die am 12.11.44 abgeschickt wurde. Von den Päckchen habe ich noch keines erhalten, schreibe dir aber sofort wenn sie ankommen. Zulassungsmarke habe ich dir schon bereitz am1.Nov. abgeschickt. Meine Kameraden sind 2/3 Türinger und 1/3 Rheinländer auch diese bekommen schlecht Post. Jedoch sind einige dabei die ihre Post nach Rüsselsheim mitgeben. Diese kommt eher an bzw schneller an. Vor den Flieger haben wir Ruhe.
Liebe Schwester du kannst Gott nicht genug danken das dein Karl u. dein Junge zu Hause bleiben können, bei dir kann man wirklich sagen du hast Glück im Unglück Ich wüste nicht was ich geben sollte wenn ich aus diesem Verein heraus wäre, aber es geht alles vorüber … … ist Mathias Klein aus Hechtsheim Kanalgaß 3 ein anderer ist Erwin Ebling aus Armsheim b. Alzey. Zu Weihnachten wünsche auch ich euch alles gute besonders eine Bombenfreier Feiertag. Liebe Schwester ich habe ein Gesuch abgegeben um abgestellt zu werden zu einer Fahrabteilung bin gespannt obs glabt, dann bekomme ich jedenfalls eine andere Feldpostnummer. Zur Zeit bin ich in einer Jagd ? staffel zur bekämpfung von Patisanen. letzte Woche wurden 4 Kameraden von den brüdern beschossen. 1 tot 1 vermisst 1 schwer verwundet 1 leicht Daraufhin wurde das Dorf umstellt von uns leider erst am anderen Tag früh um 5 Uhr die Männer waren vast alle fort. 85 Männer, Frauen und Kinder meist alte Leute wurden abgeführt, Pferde Kühe, Schweine, Enten, Hühner, Tauben, alles Vieh Lebensmittel wurden erbeutet (?) geschlachtet. Das war die schönste Woche seid meiner Wehrzeit vorher hatten wir fast immer Kartoffelsuppe Kartoffelsup und Gelberübensuppe nur Sonntags gab es Fleisch. Es ist ein verfluchtes Gefühl in den Wäldern des Ostens nach diesen Halunken zu suchen und jetzt immer auf Streife durch die Wälder zu ziehen. Also alles Gute und ein baldiges Wiedersehen in der Heimat wünscht
sich dein Bruder Johann Schüler 

Osten den 9.1.45 

Liebe Schwester!
Heute habe ich nach langer Zeit Wieder mal Post von Dir erhalten, ich habe schon gedacht du hätest mich vergessen aber es scheint doch nicht so. Wir liegen jetzt am Weichselbogen.
Es ist nicht ausgeschlossen, daß wir eingeschlossen werden. Sollte ich in Gefangenschaft geraden dann bekümmere Du Dich öfter um meine lieben Kinder. Die Hauptsache ist wenn ich gesund nach Hause komme. Deine Päckchenhabe ich erhalten und danke Dir bestens dafür. Sonst bin ich noch gesund. Ich lege Dir ein Bildchen bei es ist von einem Polen aufgenommen aber gegen die Sonne. Ich komme nun zum Schluß und grüße dich und Deine Kinder herzlichst und hoffe auf ein baldiges Wiedersehen D. Bruder

Die Feldpost von Franz Josef Schüler

Frankreich 5.1.42 

Liebe Schwester!
Habe deinen Brief vom 2.9.41 erhalten, wofür ich dir recht herzlich danke. Mir geht es soweit noch gut, was ich auch von Euch allen hoffe. Wenn ich sonst nur 4 Seiten schreibe, dann liegt das auch an der knappen Zeit. Und dann hat man auch nicht immer Stoff zum schreiben. Und nun zu Euren Fragen. Ich hatte wieder mal geschwollene Mandeln, was aber in 3 Tagen wieder vorbei war. Wenn Ihr Euch so brennend interessiert warum ich keine Weihnachten im Kreise meiner Kameraden gefeiert habe, so will ich euch das mitteilen. Wir haben hier einen Uffz. Der erst vor einigen Wochen zu seinem Dienstgrad kam, und sich gern in jeden sch…dreck einmischt. Ich hatte einige Tage vor Weihnachten mit einem Kameraden Stunk der in eine kleine Klopferei ausartete. Anstatt sich um seinen Bedienung zu kümmern kam er bei mich als ich am Wurstmachen war und machte mir allerhand Vorhaltungen wie Halbsoldat und weiß Gott was alles noch. Ich sollte auf Grund dessen, weil ich der Urheber des Streites gewesen sein sollte, 5 Kniebeugen machen, woran ich natürlich nicht im entferntesten dachte. Daß mir dann die Stimmung Weihnachten zu feiern vergangen war. Der Leutnant hatte kurz vorher meine Arbeit betrachtet, und mir seine Anerkennung ausgesprochen, wobei er mir sagte, er möchte mich nicht vermissen bei der Feier. Als ich nach getaner Arbeit auf meinem Bunker saß, und bedrückt durch die vorherige Auseinandersetzung und die feierliche Musik in einer nicht gerade fröhlichen Laune meinen letzten Briefe durchlas, da kam ein Kamerad und sagte mir, ich solle in die Kantine kommen. Ich erklärte ihm gemäß meiner Stimmung, ein Halbsoldat habe bei Soldaten nichts verloren. Dann hatte ich Ruhe. Dann kam der Neujahrsabend, welcher gefeiert werden sollte. Ich sollte, etwas singen. Ich willigte ein, mit der Bedingung, daß ich, sobald mir einer käme, und solche komischen Vorhalte machen würde, nicht zu sehen wäre.
Ich wurde seit dieser Zeit in Ruhe gelassen. Nebenbei bemerkt, erntete ich durch die zwei Lieder: „Im Feldquartier auf hartem Stein“ und als letzte Programmnummer das „Wolgalied“ ganz tollen Beifall. Nun ist wieder alles in bester Ordnung, weil ich angeblich dadurch, die Ehre der Meßstaffel gerettet haben sollte.
Aber so sind die Menschen. Mit dem N.O. Heinrich schreibe ich schon einige Zeit und habe erfahren, daß er in der Nähe von Bugarest liegt. Ich liege noch in der Bretagne. Von Karl habe ich auch Post. Wenn der „ganz Anner“ wieder Erbhofbauer wird wie du meinst, dann ist wenigstens sein Wunsch in Erfüllung. Meinen Segen hat er. Ich wünsche im Wachsen und Gedeihen auf dem Felde und in der Familie wie Sandkörner am Meer. Meine Bob, ist stur wie ein Panzer, und scheinbar taubstumm. Inzwischen habe ich eine Andere zur Abwechslung.
Diesmal schickt sie die Päckchen. Immer besser als umgekehrt. Auf Urlaub, ist bis auf weiteres nicht zu denken. (Urlaubssperre) Die Flieger kommen noch oft genug, und geschossen wird auch noch. Meine Weisheit wäre zu Ende und ich will schließen in der Hoffnung, bald etwas von Euch zu hören und verbleibe
mit vielen Grüßen
Euer Franz 

Frankreich, den 9.2.42 

Liebe Lina!
Habe Deinen Brief vom 1 ds Mts. erhalten, wofür ich Dir recht herzlich danke. Mir geht es noch gut, was ich auch von Dir hoffe. Endlich nach langer Zeit, mal einen anständigen Brief. Und nun zu Deinem Brief. Dein Wille ist geschehen, und ich habe den Brief verbrannt. Wie ich sehe, soll ich da etwas gemacht haben, was Euch nicht gefällt. Weißt Du, es ist das erste mal, wo ich einen solchen schönen Brief bekomme. So voll Trost. Es ist bestimmt kein Spott von mir. Aber es ist tatsächlich so, daß man ab und zu so einen Brief braucht. Ich glaube, Du kennst mich dafür, daß ich nicht so weich bin. Aber Jammerlappen, als den Du mich täglich um Dich herum hattest, und des wegen auch am besten gekannt hast, ist mir vom Leben ausgetrieben worden. Die Weichheit, ist einer gewissen Härte gewischen. Und ich bin dem Schicksal dankbar, daß es so ist. Das soll nun keine Angeberei von mir sein. Aber es ist schon so. Ab und zu braucht man solche Briefe. Du meinst nun ich wäre damals ein dummer Junge gewesen, und stellst die hiermit so hin, als ob etwas wahres dran wäre. Wenn es den Tatsachen entsprochen hätte, dann, bin ich der Meinung, daß ich mir jetzt nicht so den Kopf zerbrechen würde. Dann wäre ich, meiner Meinung nach, so eingestellt, daß mich so was überhaubt nicht stören würde, und daß mir so was Sch…ßegal wäre. Und von wem stammt der ganze Mist her? Von unserm früher so hoch eingeschätzten Brüderlein nebst Frau.
Du kannst ihm ja meinen Entschluß einmal bei der nächsten Gelegenheit mitteilen, wenn Du es für richtig hälst. Bis jetzt habe ich eine Voruntersuchung mit Erfolg „tauglich“ bestanden. Ich bin bis jetzt noch nicht gesinnt, meinen Entschluß zu ändern.
Was habt Ihr eben für Wetter? Hier regnet es im Wechsel mit Hagel, bei Windstärke 10. Meine Weisheit wäre zu Ende, und ich schließe in der Hoffnung, bald etwas von Dir zu hören, und verbleibe mit vielen Grüßen Franz 

Feldpost 28.7.44 

Obergefreiter
Franz Schüler
24939
Lg. Pa, Berlin 

L. Glaser (16) Mainz-Zahlbach
Empfänger verstorben, zurück an Absender 

27.7.44 

Lieber Franz!
Heute habe ich deinen so netten Brief erhalten vom 19.7. wofür ich dir recht herzlich danke. Besonderst freut mich daß die 2 armseligen Zigaretten dir Freude bereiteten. Werde dir mal ein Päckchen Tabak schicken, Frau Bachmann hat mir eine Zulassungsmarke geliehen und werde es mit gleicher Post abschicken, hoffentlich bekommst du es auch. Daß es dir gut geht freut mich auch, uns geht es auch noch gut Fliegeralarme haben wir eben sehr viel Opel wurde vergangene Woche zusammen geworfen. Weißt du denn daß dein Meister Dannhäuser gefallen ist? in Frankreich Lieber Franz! Ich glaube dir gern daß du Heimweh hast, es ist auch wirklich lange genug da du hier nicht warst. Daß du das mit deinem „Scheißerl“ wieder eingerenkt hast freut mich auch, denn mir hat sie auch gut gefallen. Ja lieber Franz der Inspektor kommt auch noch aber nicht mehr so oft, denn ich habe wieder vorlieb mit einem Gefreiten genommen, derselbe ist ein sehr netter Kerl 35 Jahre ledig, er war zuletzt an der Ostfront und jetzt schwerverwundet im Lazarett in Türingen. (wir hatten uns in seinem letzten Urlaub im Juni kennen gelernt.
Nun lieber Bruder ich muß schließen und alles Gute und unter viele Grüßen
von deiner Schwester Lina

16.8.44 Feldpost 

Ober-Gefreiter
Franz Schüler
… 24939
LG. Pa. Berlin 

L.Glaser Mz. Zahlbach (16) 

Zurück an Absender Empfänger verstorben

Lamm Obgfr. 

4.8.44 

Lieber Franz! 

Will dir kurz paar Zeilen schreiben wie geht es dir sonst. Hatte gerade rote Einfaßkordel besorgt bekommen von Oberzahlmeister (früher Inspektor) und die will ich dir auch schicken. Sag mal kannst du die 10 Tage Wehrmachtszigarettenmärkchen gebrauchen wie sie die Soldaten hier im Reich haben? Da laß ich mir alsmal eines geben für dich aber brauchst du sonst etwas, schreibe es mir nur, gell.
Lieber Franz! Arbeit habe ich soviel das erste Obst ist jetzt gebrochen aber das Unkraut ist sehr hoch. Stefanie hilft nicht mehr und Frau Nicklas ist schon 6 Wochen zu ihrem Mann gereißt und sonst kriechst du keine Hilfe Ich war ein bißchen krank (Grippe) hatte 40 Fieber, aber Unkraut vergeht nicht. Aber es wird schon klappen Da ich sehr müde bin will ich schließen und grüße dich recht herzlich Gruß an dein Annerl Lina
Gut Nacht „Auf Wiedersehen“  

Die Feldpost von Karl August Schüler

Absender: O.Gefr. 29.12.41 
Karl Schüler
Feldpostnr. 18709

Familie Glaser
Bretzenheimerstr.40
Mainz-Zahlbach
A.O. den 28.12.41 

Meine Lieben!
Teile Euch meine neue Adresse mit, …der Feldpostnr. 18709 wir sind noch unterwegs von Darmstadt aus in nordlicher Richtung gefahren, es ist hier eine ganze Portion kälter als bei Euch. Weihnachten habe ich großartig verlebt - - nun es ist eben Krieg man muß da alles in Kauf nehmen. Man durfte an alles denken nur nicht an Urlaub oder nach Hause. Mein Motto heißt nachdem Schlager „Im Leben geht alles vorüber“, so jetzt …an sich am besten über alles weg mit guter Laune. Komme nun zum Schluß und hoffe bald von Euch was zu hören.
Viele Grüße sendet aus der weiten Ferne
Karl

Darmstadt, d.15.12.1941 

Meine Lieben!
Will Euch kurz mitteilen, daß ich nun versetzt bin und werde morgen in Marsch gesetzt. Wohin es geht, weiß ich nun selbst nicht. Werde Euch sofort schreiben wenn ich meine neue Adresse weiß. Ich war ja immer auf einen solchen Fall gefaßt. Sonst nichts neues.
Recht herzliche Grüße sendet Euch
Karl. 

A.O., den 11.1.42 

Liebe Schwester u. Schwager!
Sehr erfreut habe ich deinen Brief erhalten, wofür ich Dir sehr dankbar bin. Es war nämlich der erste Brief den ich bekommen habe seit der Zeit also seit 20.12.41. man will doch sehen ob man noch verbindung hat mit der Heimat, man kommt sich hier vor, wie wenn man ganz abgeschnitten wäre von der übrigen Welt. Bekanntlich klagt ein Soldat nicht, ich will auch nicht klagen, aber was soll man denn sonst schreiben, man hat hier kein geg genügendes Licht, wir sitzen auf Kisten in einer Bretterbarake haben nur Petroleumlicht und Kabitlampe aber keiner sieht etwas richtiges u. wenn Euch möglich ist könnt Ihr mir vielleicht 2-3 Wachskerzen schicken. Ich muß sagen, daß der Staab sehr sorglich ist mit warme Kleidung, wir haben soviel von warme Unterwäsche, will mal aufzählen außer Unterhosen, 2 wollene Leibbinden, 1 paar Überstrümpfe 1 Brustwärmer, 1 Rückenwärmer alles gute Wolle man kommt sich vor wie ein kleines Wickelkind, aber bei dieser unsagbarn Kälte ist man froh darüber, ein Übermantel der alleine meiner Schätzung nach mindestens 35 … wiegt, wenn das Essen so wäre dann wär nichts zu klagen aber immer Suppe, Suppe, Suppe und nochmal Suppe wir haben uns so allmählich daran gewöhnt es geht auch schlecht anders zu machen. Brot bekommen wir genügend aber zum schmieren sehr knapp, habe schon mehr troke Brot gegessen als sonst in ganze Jahr. Wenn die verdammte Kälte nicht wäre, da wäre alles gut. Niemand braucht sich darum zu reisen jetzt an die Front, der Ausdruck „Rußige Winter“ entfaltete sich in wahre Sinne des Wortes. Man muß daß erlebt haben, so kann man Garnicht erzählen, da braucht man kein verfrorener Bruder zu sein. Wie ich mich meine Kameraden u. Freunde gegenüber verhalte, laßt mal meine Sorgen sein.
Recht herzliche Grüße sendet aus weiter
Ferne Karl. 

Darmstadt, den 21.1.42 

Meine Lieben!
Habe soeben Euere Karte erhalten, wofür ich herzlich danke. Mir geht es ganz gut was ich auch von Euch hoffe. Lina, Du fragst, ob ich wüßte was am 18.1.42 wie deine Karte das Datum anzeigt ist. Wir hatte erstmals an diesem Tag Feldgottesdienst mit Kommunion ich war natürlich dabei und habe auch kommuniziert, der Gottesdienst fand in einem Kinosaal statt. Zu deiner Frage, ob ich jetzt an Ort u.Stelle bin, will ich Dir verraten, in 10 Wochen kannst Du mal danach fragen, wir haben gerade gestern gesagt bekommen, daß wir nur noch zu Fuß weiter in Marsch gesetzt werden, es soll etwa 48 Tage dauern, als in einer noch kältern Gegend, unsere Marschrichtung geht in den mittleren Frontabschnitt. Ich habe im ganzen ein Päckchen erhalten, mit Absender von Gretel, ich weiß nicht jetzt genau ob du dabei gegeben hast oder wie. Habe mich bereits bedank dafür bei Gretel. Dann seit bitte nicht böse wenn ich mal nicht sooft schreibe, denn mit diesem umstände die hier sind da ist kein Licht, mal kein Platz am Tisch, wir sind 80 Mann auf der Bude nur 2 Tische, jeden abend sitzen um diese beide Tische voll von Kameraden, Essen kann man überhaupt nicht am Tisch, jeder ißt auf dem Bett u.s.w. wenn wir mal gelegenheit geboten wird während diese 48 Tage Marsch zu schreiben, werde ich es tun. Gib Gretel Kenntnis von diesem Brief u.Schr. Wir befinden uns augenblicklich genau Ostwärts von Warschau etwa 150 km. Wenn ich abends so die Sterne betrachte dann denke ich immer an Euch in der Heimat, die Kameraden singen oft abends Heimatlieder, wenn ich darüber nachdenke bekomme ich Gänsehaut.
Es grüßt Euch herzlich aus der immer weitern Ferne
Karl. 

Osten, Darmstadt, den 24.1.42. 

Liebe Schwester und Schwager!
Habe soeben Euer Päckchen mit den 3 Kuchen erhalten und mich sehr gefreut darüber, aber auch meinen herzlichsten Dank dafür. Sonst geht es mir noch ganz gut, was ich auch von Euch hoffe. Margit wird jetzt immer mit der Schule bzw. mit den Schulaufgaben beschäftigt sein, nicht wahr? Da hast Du doch als wieder einige Stunden ruhe, während Margit in der Schule ist, Lina. Wirst wohl meinen Brief inzwischen bekommen haben, also am 27.1.42. beginnt unser 48 täglichen Marsch zu Fuß, richtung mitteleren FrontenAbschnitt, mehr wissen wir auch nicht, es genügt ja auch, möchte nicht hoffen, aber ich glaube so manche Nacht werden wir wohl unter freiem Himmel vebringen, die Nächte sind bekanntlich bitter Kalt. Wir haben schon mal eine ganze Nacht maschiert, oder besser gesagt geritten mit 20 Min, aufenthalt, es von 24 Uhr bis 7 Uhr und wurden anschließend verladen, 35 km hatten wir da zurück gelegt und das war noch in Nordostdeutschland. Ich will nun schließen, da meine Weisheit zu ende ist. Also nochmals besten Dank für das Fläschchen. Conjack.
Aus der immer weitern Ferne sendet Euch die herzlichsten Grüßen an alle
Karl. 

Rußland d. 2.2.42 

Meine Lieben!
Will mal etwas von mir hören lassen, mir geht es noch ganz gut was ich auch von Euch hoffe.  Wir sind schon sehr weit entfernt und es geht immer noch weiter bis 48 Tage herum sind, sind wir am Entziel. Aus der immer weitern Ferne sendet
Euch die besten Grüße
Karl. 

Rußland, den 20.2.42 

Meine Lieben!
Will von mir ein Lebenszeichen geben und hoffe, daß es Euch so gut geht und noch besser als mir. Habe schon viele Heldengräber u.zerschossenen Panzer Autos u.s.w. Diese rechts oder links der Chauseen liegen gesehen also ein Zeichen daß sich auf diesen Straßen der Krieg abspielte. Wir sind noch unterwegs und sonst wüßte ich nichts neues. Schreibt bitte mal, daß wenn Post gibt, ich auch von Euch erhalte.
Aus weiter Ferne sendet Euch die besten Grüße Karl. 

Rußland, den 27.2.42 

Meine Lieben!
Will mal ein Lebenszeichen von mir geben, mir geht es noch ganz gut gesundheiltich und Finanziell, man kann aber nichts mit dem Geld anfangen hier fast bräuchte ich keine Päckchen zu erwarten. Wenn Ihr mir etwas schicken könnt, wäre ich Euch sehr dankbar, verpackt aber bitte das Päckchen gut und wenn möglich haltbare Eßwaren. Sonst hätte ich keine Anliegen oder Bitten, hoffe aber wenn es Post oder Päckchen gibt von Euch etwas zu erhalten. In der Hoffnung daß der Feldzug in Rußland dieses Jahr ein Ende bekommt grüßt euch aus weiter Ferne auf das herzlichste die Heimat ganz besonderst aber Euch
Karl 

Rußland, d.20.3.42 

Meine Lieben!
Da ich kein Briefumschlag habe so wird Euch diese Karte genügen, habe den Brief vom 1.2.42 am 17.3.42 erhalten nebst 50gr.Honig und eine Karte von Januar 1942 wofür ich auch sehr dankbar bin, am meisten freute mich das Päckchen mit der Wurst hat ausgeizent geschmeckt. Wäre Euch sehr dankbar wenn Ihr mir etwas zu Rauchen schicken würdet. Was macht die Margit hat es noch so ein 5 schnelles Temperament beim Sprechen und Kleinste wird wohl auch mit der Zeit größer.
Also komme langsam zu Schluß. Sonst geht es mir gut, was ich auch von Euch allen hoffe. Eugen brauch sich nicht zu eilen zu Front. Er wird noch früh genug hinkommen. 

Russland, den 21.3.42. 

Meine liebe Schwester Lina u. Schwager Eugen!
Habe soeben einen Brief erhalten und muß Dir mit einer Karte beanworten, weil ich kein Cuwer mehr da habe. Vorallem meinen besten Dank dafür besonderst für die Päckchen das Paket mit dem etwa . Pfund Butter u. etwa 250gr. Mettwurst, die Strümpfe habe ich auch erhalten, war aber nicht notwendig da wir genug zum anziehen haben man muß ja alles wo man hingeht mitschleppen und man hat schon soviel, schickt mir lieber an Rauchen oder noch besser Eßwaren Brot, Wurst, Butter u.s.w. ich bin Euch sehr dankbar dafür. Das Essen ist gut hier, man hat ja immer Hunger und die Kälte der scharfe Nord-ostwind in meinen Fingerspitzen habe ich gar kein gefühl mehr drin, da ist das Essen zu wenig. Man raucht was man hat vor Kohldampf. Mit Läuse, hat ich mal vorübergehend gehabt, es ist auch schlimm, wenn man die wohlverdiente Ruhe auch noch von solche Viehzeug geklaut kriecht aber wir haben ja Mittel dagegen und es kann nur eine Nacht in Frage kommen. Da ich jetzt schließen will grüßt Euch alle auf das herzlichste Margit, Karola, Eugen besonderst Dich lb. Schwester
Dein Br. Karl. 

Rußland, den 15.3.42 

Liebe Schwester und Schwager!
Habe Euer ausgezeichnete Päckchen u. ein Paket erhalten u. auch den Tabak mit Zigarettpapier. Aber meinen besten Dank dafür. Ich kann euch garnicht genug danken. Wir sind auf dem Weg nach Smolensk haben bald das Ziel erreicht. Wir sind von polnisch Minsk 39 km östlich Warschau in Marsch gesetzt worden und haben nun bald etwa in 10 Tage unser Endziel erreicht.
An Bekleidung braucht Ihr mir nicht zu schicken sind genug mit warmen Sachen versehn. Aber Essen könnt Ihr mit schicken was in Euren Kräften steht denn wir leiden großen Hunger, es ist nicht übertrieben. Diese Kälte und Hungerleiderei ist furchtbar. Wenn Ihr mir immer nur ein Brötchen oder 1 Scheibe Brot schickt 6-8 Päckchen solche bin ich Euch dankbar. Ich sehe fast nichts mehr da es dunkel wird und habe auch kein Licht hier muß deshalb so langsam Schluß machen. Also meinen besten Dank für die Post u. schickt Eßwaren
Herzlichsten Gruß
Karl. 

Donnerstag 26.3.42 

Lieber Karl!
Will Dir nun auch schreiben. Habe Deine Karte erhalten vielen Dank es freut einem immer
wenn man so einen Frontbrief erhält. Habe Dir gestern 4 Päckchen 2 mit Wurst, 1 mit Schinken und Zigaretten, 1 mit gekochte Eier geschickt schreibe bitte ob Du dieselben auch erhalten hast? und die wo ich schon im Sommer + Febr. Geschickt habe hast du die? Schreibe es mir bitte. Damit ich weiß ob meine Sachen auch der richtige erhalten hat.
Uns geht es noch gut. Am Montag 23 März ist Eugen zu den Panzer-Jäger eingezogen worden, Konsum läuft zur Zeit noch. Hofentlich geht es durch. Bist Du jetzt in Stellung? was ist deine Arbeit? ist es noch so kalt? Sei bitte vorsichtig und gemeinsam wollen wir den Herrgott bitten daß er uns vor schlimmem bewahrt. Unsere Kinder sind gottsei dank noch gesund, ach wenn nur unser Junge leben geblieben wäre, er wäre jetzt schon bald 1 Jahr, kann ihn gar nicht vergessen. Hier ist das Wetter so schön daß man im Garten schon arbeiten kann. An Ostern will ich in den Garten ziehen, bekommst du noch nicht Urlaub?
Viele Grüße und viel Glück, und baldiges Weidersehen von uns allen besonderst von
Lina Eug. + Kinder
Wenn du Eugen mal schreiben willst. 

Schütze E.Glaser 3 Pz Jäger Abt.33
Landau
Feldpost
Ober-Gefreiter
Karl Schüler 

Nicht zustellbar
An Absender zurück

Marquard Gfr.
Feldpostnr. 18709 

9.4.42 

Lieber armer Karl!
Will dir auch gleich schreiben. Heute Habe ich deine lb. Karte erhalten, es hat mich sehr gefreut. Jetzt wo du am Ziel bist hoffe, und wünsche ich, daß Du doch etwas mehr Essen bekommst. hast du die Päckchen mit Schinken, Wurst, Eier und 4 Guwerts mit Brot erhalten? Ich schicke dir bald alle Woche was fort, hoffentlich erhältst du dies auch. Hast du Butter Honig, Leberwurst die ich schon länger schickte, erhalten? Eugen ist zeit dem 23.März zu den Panzerjäger eingezogen jetzt weiß ich garnicht mehr wo ich im Garten anfangen soll am besten du bekommst Urlaub und hilfst mir.
In Zahlbach gibt es einige Neuigkeiten. Julis ihrn Onkel ist gestorben. Buchert Bertel ihr Mann ist gefallen im August 41, jetzt grieht sie ein Kind von einem anderen, Niklas Hans ist gefallen, Hessels Ludwig auch Kluge Käti hat sich verseuft aus Liebeskummer, sonst wüßt ich nichts neues. Eugens Adresse ist: Schütze E.Glaser 3 Panz-Jäg 7, Ers.-Abt. 33, Landau (Pfalz) wenn du ihm mal schrieben willst daß du dies weist. In der Hoffnung, daß es dir wieder besser geht grüß dich mit Gott wollts Deine Schwester Lina
Gruß von den Kindern