Die Feldpost des Walter Rothe

geb. am 14. November 1922, besuchte ab 1933 die Gutenbergschule in Mainz, eine Oberschule für Jungen. An dieser legte er am 25. Februar 1941 die Reifeprüfung ab. Bereits Anfang Januar wurde er vom Kreisleiter der Standarte 117 aufgefordert, zwecks Teilnahme am Wehrmachtsmannschaftsdienst der SA sich am 12. Januar 1941 um 10:30 Uhr im Standartensaal, Brand 15, im 1. Stock zu melden.

Sein Vater Karl Rothe hatte anderes mit seinem Sohn vor. Als Mitinhaber der Mainzer Druckerei Karl Theyer sollte Walter ihm nach einer einschlägigen Lehre einmal später im Betrieb nachfolgen. Doch all seine Bemühungen waren ohne Erfolg. Walter wurde im Herbst 1941 zur Rekrutenausbildung eingezogen, die er bei einem Pionierbatallion zuerst in Speyer und ab Anfang 1942 in Koblenz durchlief. In dieser Zeit schrieb er monatlich zahlreiche Karten und mehrseitige Briefe an seine Eltern und seinen Bruder Gerhart an ihre Wohnadresse Bingerstraße11 in Mainz.

Liebe Eltern, lieber Herbert!

Nun, nachdem ich von der Kirche kam und mich in ein Cafe „verfügt“ habe, will ich den versprochenen  Brief schreiben. Also der Lehrgang ist, wie ich ja schon gestern gesagt habe, zu Ende. Da ich mit „Genügend“ bestanden haben soll, kann ich zufrieden sein und bin es auch, obwohl ich in den letzten 1 ½ Monaten stark im „kommen“ gewesen war und offensichtlich zur Elite gerechnet wurde. Hätte ich damals den Schnitzer nicht gemacht, so hätte ich vielleicht mit Leistungsstufe a abgeschnitten. Der Lehrgang scheint jedenfalls eine größere Bedeutung erlangen zu wollen, als ursprünglich anzunehmen war. Unser Leutnant hat sogar behauptet, es sei nicht ausgeschlossen, daß wir, soweit wir eine einigermaßen brauchbare Beurteilung hätten, gar nicht zur Kriegsschule bräuchten. Das wäre natürlich ein schwerer Strich  durch die Rechnung, denn die Kriegsschule reizt mich bei der ganzen Sache am meisten. Nicht nur, weil man (wenigstens war es noch 194… alles mögliche lernen kann, z. B. Reiten, Skifahren, Tennis, Boxen bzw. Gesellschafts…u.s.w., sondern weil sie eine „Schule“ ist, die einen tiefgehenden Einfluß auf vielleicht das ganze spätere Leben ausüben kann.

Übrigens glaube ich auch nicht, daß Leute, die nicht gerade „hervorragend geeignet“ haben von der Waffenschule befreit werden. Was jetzt wird, wissen wir natürlich nicht. Einstweilen werden wir stramme Pioniere: Dienst machen in der alten Kompanie und ferner alles versuchen, um trotz der Urlaubssperre den einen oder anderen Tag nach Hause zu kommen. Aussichten haben wir dabei kaum aber probiert wird es trotzdem.

Nun noch viele Grüße und alles Gute
von Eurem Walter

Bereits Ende April/ Anfang Mai 1942 wurde Walter mit seiner Einheit nach Russland versetzt. Von dort erreichten noch drei Briefe seine Eltern. Ein Brief seiner Eltern mit dem Poststempel 16.5.42 kam als nicht zustellbar an diese zurück. Walters letzter Brief vom 17. Mai 1942 erhielten die Eltern am 30. Mai, 11 Tage nachdem Walter gefallen war.