Wie funktionierte Feldpost im Zweiten Weltkrieg?

Feldpost des Zweiten Weltkriegs als Quelle

Während des Zweiten Weltkriegs transportierte die deutsche Feldpost schätzungsweise 30 bis 40 Millionen Sendungen. Für einen Großteil der Deutschen waren sie eines der wichtigsten Kommunikationsmittel, das als Ersatz für den nicht erlebbaren Familienalltag diente. Der Brief schuf die Möglichkeit, über räumliche Distanzen hinweg zwischen Heimat und Front Gemeinsamkeiten aufrecht zu erhalten. Der Blick auf Feldpostbriefe kann deshalb Zugang zum Kriegsalltag schaffen und zu deutschen Sichtweisen auf den Krieg.

Themen und Bedeutung der Feldpost

In den Feldpostbriefen wurden zum großen Teil jene Alltagsthemen abgehandelt, die im Erfahrungshorizont von Soldaten und Zivilisten lagen. Man schrieb über das Wetter, den Verbleib gemeinsamer Freunde und Bekannte, die Versorgungslage oder die Schulnoten der Kinder.

Die Themen variierten dabei gemäß der sozialen oder regionalen Zugehörigkeit. Aussaat und Ernte interessierten Soldaten aus ländlichen Regionen. Beschreibungen von Fliegerangriffen finden sich in den Briefen städtischer Schreiber vor allem ab 1941, da die Alliierten verstärkt Luftangriffe auf deutsche Städte flogen. Das Überwiegen alltäglicher Themen verweist auf die essentielle Bedeutung von Feldpost als Lebenszeichen.

Medienvielfalt der Feldpost

Die Feldpost transportierte nicht nur schriftliche Sendungen. Neben den Briefen wurden Fotografien, Päckchen und Karten befördert. Nicht selten begleiteten die Briefe handgefertigte Zeichnungen, wobei die Bandbreite von der einfachen Skizze bis zum künstlerisch hochwertigen Aquarell reicht. Der Blick auf diese Medienvielfalt der Feldpost zeigt, welche Möglichkeiten eine ältere Kommunikation über die Ferne bot. Es ergeben sich Vergleiche zur heutigen virtuellen Kommunikation, die in aller Regel über den Computer und das World-Wide-Web oder das Telefon funktioniert.

Feldpost und deutsche Erinnerungskultur

Der Umgang mit dem Nationalsozialismus war in der Bundesrepublik in den 1950er Jahren durch Vergessen und Verdrängen gekennzeichnet. Die DDR betonte ihre antifaschistische Haltung und instrumentalisierte die Erinnerungsarbeit für die Legitimation des sozialistischen Staatssystems. Das begrenzte das Gedenken an einzelne Opfergruppen, allen voran die jüdische. Der große Umschwung des Erinnerungsdiskurses, der sich in der Bundesrepublik seit den 1960er Jahren ankündigte und in der Studentenbewegung von 1968 kulminierte, wirkt bis heute nach.

Die Institution Feldpost

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs nahm die Feldpost als Teil der Wehrmacht offiziell ihren Dienst auf. Die postfachliche Aufsicht über die Feldpost oblag dem Reichspostministerium in Berlin. Das Feldpostwesen diente sowohl dem Postverkehr mit der Heimat als auch dem innerhalb der Wehrmacht. Aufbau und Aufrechterhaltung der Feldpost stärkten den Durchhaltewillen der Gesamtbevölkerung und trugen zur Stabilität des NS-Kriegssystems bei. Das Postaufkommen zwischen Heimat und Front betrug über 30 Milliarden Feldpostsendungen - davon 75 Prozent von der Heimat Richtung Front. 12.000 Feldpostbedienstete sicherten mit 400 Feldpostämtern die Postzustellung in Deutschland und im okkupierten Europa.

Feldpost und Zensur

Am 12.3.1940 bekamen die Feldpostprüfstellen die Anweisung, stichprobenartig mit der offenen Zensur der deutschen Feldpost zu beginnen. Ihre Arbeit diente der Sicherung militärischer Nachrichten und der Kontrolle der Stimmung innerhalb der Truppe. Zensiert wurden Äußerungen, die der militärischen Geheimhaltung unterlagen oder regimekritisch waren. Auf die Soldaten hatte die Briefzensur anfänglich eine abschreckende Wirkung und der Inhalt der Briefe entsprach im Wesentlichen den Vorschriften. Das änderte sich im weiteren Kriegsverlauf. Viele Soldaten kritisierten die Zensur oder wiesen auf den Zwang zur Selbstzensur hin. Einige erfanden Umgehungsstrategien, um der Heimat ein genaueres Bild ihrer Erfahrungen zu übermitteln.

Feldpost und Propaganda

Die nationalsozialistische Kriegsführung maß der Feldpost hohe propagandistische Bedeutung zu. Die Briefe erreichten große Teile der Bevölkerung und schienen wegen ihres großen Werts für die Schreibenden geeignet, den Kriegswillen zu stärken. Man versuchte deshalb, die Briefe inhaltlich zu beeinflussen: Negative Nachrichten waren unerwünscht, Optimismus sollte den Ton bestimmen. Feldpost diente aber auch als Träger von Ideologie. Das Oberkommando der Wehrmacht brachte Bild-Feldpostkarten heraus, deren Motive das Idealbild des harten Kämpfers zeigten. Vielfach waren Feldpostkarten mit Zitaten aus Reden oder Schriften der politischen Führer versehen, die Mut und Durchhaltewillen beschworen.

Liebe und Sehnsucht

Liebe und Sehnsucht sind häufige Themen der Feldpost. Der Brief schuf den getrennten Paaren eine Ersatzwelt. Er war der Ort für gemeinsame Erinnerungen und Zukunftspläne und sorgte dafür, dass Beziehungen über die Ferne hinweg funktionierten. Kurze Fronturlaube erneuerten die Motivation, die Fernbeziehung oft über Jahre hinweg zu führen. Das war im Sinn des Regimes, denn es maß den privaten Liebesbeziehungen nicht nur eine kriegswichtige, sondern auch eine die Gesellschaft erhaltende Bedeutung bei. Der auf rassenideologische Grundlage gestellte Staat war gerade im Krieg bemüht, die Geburtenraten zu heben und die Eltern von ihrer Rolle als Erzieher zu entäußern.

Essen und Gebrauchsgüter

Mit Kriegsbeginn wurde ein Rationierungssystem für Lebensmittel und andere Güter eingeführt. Um den Kriegswillen der Bevölkerung zu stärken, wurden die Rationen sehr hoch gehalten. Das war möglich, indem die Deutschen die besetzten Länder plünderten, besonders brutal im Osten. Zur weiteren Entlastung des Nachschubs und der Ernährungslage des Reichs sollten sich nach einer Anordnung Herman Görings vom Oktober 1941 die deutschen Truppen ganz aus den besetzten Ländern versorgen. Die Soldaten nutzten dies dazu, auch ihre Angehörigen zu Hause mit Waren zu beliefern. In Bezug auf Heimreisen existierte keine Mengenbeschränkung für mitgenommene Güter, und jeder durfte soviel Lebens- und Genussmittel ausführen, wie er tragen konnte. Um die Angehörigen auch aus dem Feld mit Gütern versorgen zu können, bedienten sich die Soldaten der Feldpost. Aus Frankreich und Belgien durften Päckchen zu 1kg in beliebiger Anzahl geschickt werden.

Mit freundlicher Genehmigung: Museumsstiftung Post und Telekommunikation, Berlin, Texte: Dr. Susan- ne Kiewitz

 

 

Die Feldpostnummer, die Adresse an der Front

Um den deutschen Soldaten im Feld mit der Heimat zu verbinden, wurde bei Kriegsbeginn die Feldpost eingeführt. Die Feldpostbriefe wurden nicht direkt an die Einheit adressiert, an die sie geschickt wurden, sondern mit einer fünfstelligen Nummer versehen. Jede Einheit der Wehrmacht hatte eine andere Nummer, die aus Geheimhaltungsgründen vergeben wurde und die im Laufe des Krieges durchaus wechseln konnte. Diese fünfstelligen Nummern wurden an größere Verbände (Bataillon, Abteilung usw.) vergeben, kleinere unterstellte Einheiten (Batterien, Kompanien) wurden durch einen zusätzlichen Buchstaben gekennzeichnet.

Da während des Krieges viele Verbände aufgelöst, ihre Feldpostnummern gelöscht und diese nach einiger Zeit erneut vergeben wurden, ist in der Regel mit der zwei- bis dreifachen Besetzung der gleichen Feldpostnummer zu rechnen. Von der Feldpostübersicht kamen im Laufe des Krieges - etwa halbjährlich - Neudrucke heraus, sodass zur zweifelsfreien Einheitszuordnung die Zeitangabe der Absendung des Briefes vonnöten ist.

Da die Verlustlisten und Erkennungsmarkenverzeichnisse nach Waffengattungen und Truppenteilen geordnet sind, ist für die Ermittlungen in diesen Unterlagen die Kenntnis der offenen Anschrift wichtig. Da diese den ehemaligen Soldaten und besonders den Angehörigen nicht mehr bekannt sind, kann anhand der Feldpostnummernverzeichnisse die jeweilige Einheit festgestellt werden.

Quelle: http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Soldat/Feldpost-R.htm